
Ökothriller
TEUFEDer Berg vergisst nicht
von Avel
Der Berg vergisst nichts. Und er führt Buch.
Worum es geht
Tief unter dem Ruhrgebiet steigt das Wasser.
Seit die letzte Zeche schloss, drücken Millionen Kubikmeter Grubenwasser nach oben. Kontrolliert, heißt es. Unbedenklich, heißt es. Manni Wozniak, zweiundsiebzig, letzter Hauer von Sankt Barbara, glaubt das nicht. Er hört den Berg klopfen, nachts, durch den Boden seiner Küche: drei Schläge, eine Pause, zwei. Eine Warnung. Denn Manni weiß, was vor dreißig Jahren in den toten Strecken vergraben wurde – er hat selbst dabei geholfen.
Als die Geophysikerin Swantje Reents eine Anomalie misst, die es nicht geben dürfte, kreuzen sich ihre Wege. Zwei Menschen, denen niemand glaubt, gegen einen Konzern, der den Tod von Millionen verwaltet wie eine Bilanz – und der bereit ist, jeden zum Schweigen zu bringen, der die Zahlen anrührt.
Das Grubenwasser ist vergiftet. Es steigt schneller, als jede Behörde reagieren kann. Und wenn es die Ruhr erreicht, kommt der Tod aus dem Wasserhahn von fünf Millionen Menschen.
Manni hat sein Leben lang dem Wasser gesagt, wohin es fließen soll. Ein letztes Mal muss er hinab – dorthin, wo der Berg Buch führt über alles, was man ihm angetan hat.
„Manche Schulden begleicht nur die Tiefe.“
Leseprobe
Leseprobe – Erstes Kapitel
Erstes Kapitel
Drei Schläge, Pause, zwei
Es klopft.
Manni Wozniak sitzt am Küchentisch, die Hände um eine Tasse, die längst kalt geworden ist, und sein Körper weiß Bescheid, bevor der Kopf hinterherkommt. Elf Jahre ist er nicht mehr eingefahren. Elf Jahre, in denen die Zeche zugemacht hat, die Kaue abgerissen, der Förderturm verkauft wurde, an Leute, die ihn jetzt anstrahlen für die Touristen. Elf Jahre. Und trotzdem fährt es ihm sofort in die Knochen, dieses Geräusch, als hätte sein Leib es nie verlernt.
Nicht das Heizungsrohr. Das kennt er, das ist ein helles Ticken, das morgens durch die Wand kommt, wenn die Therme anspringt. Das hier ist etwas anderes. Tiefer. Ein Pochen, das nicht durch die Luft kommt, sondern durch den Boden, durch die Sohlen seiner Pantoffeln, durch die Fußknochen herauf bis dahin, wo es in den Backenzähnen sitzt.
Er stellt die Tasse ab. Ganz langsam, als könnte das Klirren etwas verscheuchen.
Er lauscht.
Nichts. Die Spüle tropft. Draußen ein Müllwagen, weit weg, das Brummen einer Stadt, die nicht weiß, dass sie auf einem Sieb gebaut ist. Manni atmet aus. Wird langsam alt, der Junge, denkt er, und er denkt das gern in der dritten Person, der Junge, als gäbe es da noch einen jüngeren Manni, der ihm von der anderen Seite des Tisches zusieht und den Kopf schüttelt. Wird alt, hört Gespenster, sitzt um halb sechs in der Küche und –
Da ist es wieder.
Drei Schläge. Pause. Zwei.
Diesmal zählt er mit. Das macht der Körper von allein, das hat er nie abtrainieren können; unter Tage zählt man alles, die Schläge, die Schritte, die Sekunden zwischen Husten und Husten. Drei. Pause. Zwei. Und dann nichts mehr, nur das Tropfen der Spüle, das auf einmal viel zu laut ist.
Sein Vater hat ihm das beigebracht, vor sechzig Jahren, an genau so einem Küchentisch, an genau so einem Morgen. »Der Berg, Junge, der tut nix umsonst.« Der alte Wozniak hatte die Hände um eine Tasse gelegt, die gleichen Hände, die Manni jetzt an sich sieht, fleckig geworden, die Nägel noch immer schwarz in den Rillen, da weicht die Kohle nie mehr heraus. »Der merkt sich allet, wat man ihm wegnimmt. Jede Tonne. Jeden Stein. Und irgendwann schreibt der die Rechnung.«
Manni hat das immer für Kumpel-Aberglauben gehalten. Für Geschichten, die man den Kindern erzählt, damit sie Respekt haben vor der Teufe, bevor sie das erste Mal in den Korb steigen. Der Berg führt Buch. Soll und Haben. Schöne Geschichte. Hat er nie geglaubt, der Manni, er war immer einer von den Nüchternen, einer, der lieber auf den Wetterzug geachtet hat, als auf die heilige Barbara über dem Streckeneingang.
Drei Schläge. Pause. Zwei.
Ja, sagt er leise in die leere Küche. Hab ich gehört.
Er steht auf, und es dauert, bis er steht. Das Knie links, das ihm der Berg als Andenken dagelassen hat, ein Steinschlag ’79, drei Wochen Bergmannsheil. Er hält sich am Tisch fest, bis die Welt wieder gerade ist, dann schlurft er ans Fenster und zieht die Gardine auf.
Das ganze Buch gibt es hier.
KaufenBuchdaten
Ausgabe
- Titel
- TEUFE – Der Berg vergisst nicht
- Autor
- Avel
- Verlag
- AVEL Verlag
- Genre
- Ökothriller
- Sprache
- Deutsch
- Taschenbuch
- ISBN 978-3-69457-000-4
- E-Book
- ISBN 978-3-69457-001-1
- Erscheinungsjahr
- [JJJJ]
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